Die Warrior-Diät und Paleo Lifestyle 3


Leser meines früheren Blogs Eisenfresser-Online erinnern sich vielleicht, dass ich hin und wieder mit verschiedenen Ernährungsansätzen experimentiere. War ich der Meinung, zuviel Fett am Körper zu tragen, so habe ich meist einige Wochen lang eine typische Bodybuilder-Diät mit Hühnerbrust, Reis und Ananas verfolgt. Damit bin ich immer zu einer sehr guten Definition gelangt, die annähernd einem Wettkampfbodybuilder entsprach. Eine zeitlang habe ich auch mit Low-Carb Diäten experimentiert, war aber mit dem Ergebnis weniger zufrieden.

Vor etwa einem Jahr bin ich dann erstmals auf die sogenannte Warrior-Diät aufmerksam geworden, wie sie von Ori Hofmekler im gleichnamigen Buch vorgestellt wird. Hofmekler untersucht die Essgewohnheiten unserer nomadischen Vor-Vorfahren und alter Kulturen wie den Römern und Griechen und formuliert daraus seine eigene Ernährungsphilosophie. Diese ist in vielen Punkten grundätzlich anders, als die typischen Diätansätze von Bodybuildern und Kraftsportlern.

Radikal: Nur eine Mahlzeit am Tag

Das wohl radikalste und zugleich zentrales Element von Hofmeklers Ernährungsansatz ist der Umstand, dass es in der Warrior Diät nur noch EINE tägliche Mahlzeit gibt. Bodybuilder, die sonst zwischen fünf und sieben Mahlzeiten täglich zu sich nehmen, dürfte diese Praxis ziemlich schockieren.

Laut Hofmekler entspricht diese Vorgehensweise aber genau der Ernährung unserer nomadischen Urahnen, die den Tag mit der Jagd und dem Sammeln von Früchten und Nüssen verbrachten und sich abends zu einem großen Festmahl niederließen. Auch römische Legionäre sollen einen ähnlichen Ernährungsstil verfolgt haben.

Snacks über den Tag, Festmal am Abend

Nun ist es bei der Warrior Diät keineswegs so, dass den Tag über gar nichts gegessen werden soll. Kleine Snacks sind erlaubt beziehungsweise sogar ausdrücklich empfohlen, diese bestehen typischerweise aus rohem Gemüse, Beeren, Obst und Nüssen und gegebenenfalls etwas Fleisch. Die Kalorienbillanz am Tag sollte jedoch deutlich im negativen Bereich liegen. Das abendliche Mahl dagegen sollte bis zur völligen Sättigung führen. Laut Hofmekler setzt diese Mahlzeit aufgrund der hohen Kalorienmenge einen starken anabolen Reiz.

Im Buch zur Warrior-Diät wird ausführlich beschrieben, welche Nahrungsmittel zu welchen Tageszeiten konsumiert werden sollten, und welche man besser meidet. Im Gegensatz zu den meisten anderen Diäten hat man dabei sehr viel Freiheiten und kann insbesondere bei der Abendmahlzeit kreativ werden. Der Autor kann seine Empfehlungen in der Regel sehr gut begründen, auch wenn die Argumentation stellenweise doch etwas bemüht wirkt. Einige Passagen des Buches entpuppen sich leider auch als Werbung für die auf die Diät zugeschnittenen Supplements Warriors Milk und Warriors Serum.

Paleo: Steinzeitmenschen im 21. Jahrhundert

Ein großer Salat als Auftakt des abendlichen Festmahls

Ein großer Salat als Auftakt des abendlichen Festmahls

Geht man den Ansätzen Hofmeklers nach, so stößt man schnell auf eine Bewegung, die sich als Paleo bezeichnet: Es handelt sich um Menschen, die versuchen, ihre Lebensweise an die Lebensumstände eines Steinzeitmenschen vor 20.000 Jahren anzupassen. Zum Hintergrund muss man wissen, dass die Menschen einige hunderttausend Jahre als reine Jäger und Sammler gelebt haben. Die Zivilisation mit Landwirtschaft und Viehzucht ist erst vor ca. 10.000 Jahren entstanden.

Paleo-Befürworter gehen davon aus, dass der menschliche Körper sich in diesem vergleichsweise kurzen Zeitraum unmöglich an die geänderten Lebensumstände anpassen konnte. Industriell verarbeitete Lebensmittel werden dabei als Ursache der meisten Zivilisationskrankheiten angesehen. Doch auch wenn Ernährung ein zentraler Aspekt in der Paleo-Bewegung ist, geht diese weit darüber hinaus: Ob nun Schuhe oder Sitzmöbel – kaum eine Errungenschaft der Zivilisation, die nicht in Frage gestellt wird. Ziel ist es dabei stets, den Körper so einzusetzen und zu fordern, wie es sich im Rahmen der Evolution bewährt hat. Der menschliche Fuß ist perfektioniert für das Barfußlaufen und braucht keine High-Tech Luftpolster, so die Paleo-Anhänger. Eine Argumentation, der ich durchaus folgen mag.

Keine industriell verarbeiteten Lebensmittel

Die meisten Befürworter des Paleo Lifestyles verweigern jede Art von Getreide und Hülsenfrüchte, viele auch Milchprodukte. In der Warrior-Diät sind Erbsen, Bohnen und Milchprodukte dagegen als Proteinquelle durchaus erwünscht, und auch Getreideprodukte dürfen beim abendlichen Mahl verzehrt werden. Einig sind sich die Verfechter beider Ansätze darin, dass industriell verarbeitete Lebensmittel vollständig zu meiden sind.

Was körperliche Betätigung angeht, so verfolgen sowohl Hofmekler als auch die Paleo-Anhänger eine Trainingsphilosophie, die voll auf meiner Linie liegt: Funktionale Grundübungen mit freien Gewichten und Körpergewichtsübungen, dazu gewöhnliches Gehen und gelegentliche hochintensive Intervalle zur Konditionierung.

Warrior Diät für Kraftsportler

Persönlich finde ich beide Ansätze sehr reizvoll und experimentiere gerade damit, diese auf meine eigenen Bedürfnisse anzupassen: In der Warrior-Diät ist es trotz abendlichem Festmahl schwierig, auf die für fortgeschrittene Kraftsportler nötige Proteinmenge zu kommen. Bei einer strikten Paleo-Ernährung sehe ich dagegen Schwierigkeiten, die Kohlenhydratspeicher meiner Muskeln nach dem Training schnell wieder zu füllen. Der Verzicht sowohl auf Zucker als auch auf Getreide macht dies fast unmöglich und nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Low-Carb Diäten leidet dann bei mir die Regeneration und das Muskelwachstum. In Folge dieser Überlegungen fallen bei mir die Snacks am Morgen und über Tage etwas ausführlicher aus, als in der Warrior-Diät üblich. Nach dem Training gönne ich meinem Körper einen Drink mit Traubenzucker und zum Ende des abendlichen Mahls gibt es eine kleine Portion Nudeln.

In den nächsten Wochen will ich diesen Ernährungsansatz weiter testen und auch andere Ideen aus der Paleo-Szene halte ich für erprobenswert. Ein bisschen Steinzeit, so scheint mir, kann uns allen nicht schaden.


Über Thomas Frütel

Thomas Frütel ist Softwarearchtitekt, Kraftsportler, Gesundheitsfanatiker und Familienvater. Auf idealkraft.de schreibt er über alles, was mit menschlicher Leistungsoptimierung - Human Performance Optimization - zu tun hat.


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3 Gedanken zu “Die Warrior-Diät und Paleo Lifestyle

  • Markus

    Da bin ich ja echt mal gespannt wie dein Körper, Aussehen und deine Kraft darauf reagieren.
    Bin natürlich als „old-school-bodybuilder“ da etwas skeptisch. Aber durch diese schon fast „Schockumstellung“ der Ernährungsweise kann natürlich allerhand „passieren“.
    Viel Erfolg !

  • Thomas Frütel Beitragsautor

    Ein Fazit werde ich demnächst hier veröffentlichen. Ich darf schonmal verraten, dass die Warrior-Diät sich für mich nicht bewährt hat – Deine Skepsis war also berechtigt.

  • philipp

    ich denke mit einer paleo-lebensweise, sollte man nicht anfangen, wenn man in sehr intensivem training zum muskelaufbau á la old-skool-bobybuilder-manier steckt. wer auf kondition und eine ausgewogene bewegung des gesamten körpers setzt und vorallem nicht unbedingt masse aufbauen will, ist mit paleo sehr sehr gut beraten. – hier hängt viel von den natürlichen anlagen eines menschen ab, also wie kräftig ist die person von natur aus gebaut, wie schmächtig ist sie, etc. die perfekte ergänzung zu paleo-gewohnheiten (ich nenns mal gewohnheiten, da es nicht nur eine diät ist, sondern eher logische ableitungen von natürlich gegebenen sachverhalten zusammenfasst) sind sportarten, wie kampfsport (mit ausdauer und kraft-einheiten) z.B. capoeira, leichtathletik + intensiveres impulstraining oder gar crossfit.