Gelassenheit 1


GelassenheitBei meiner alljährlichen Zielplanung lege ich zusätzlich zu den konkreten Zielen immer ein Gesamtthema fest, dem ich im jeweiligen Jahr besondere Aufmerksamkeit schenken möchte.

So war 2012 für mich das Jahr des Sparens. Bei der Umsetzung dieses Themas war ich sehr erfolgreich, wie ich auch an einigen konkreten, damit verbundenen Zielen erkennen konnte. Für 2013 habe ich für mich Gelassenheit als Thema des Jahres ausgerufen.

Mir ist bewusst, dass ich oft nicht so ruhig und besonnen handele, wie ich es mir wünsche. Insbesondere im letzten Jahr habe ich mich oft von der Hektik des Lebens treiben lassen. Das möchte ich gerne ändern.

Das Gelassenheitsgebet

Gott gebe mir Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Dieses sogenannte Gelassenheitsgebet hat seinen Ursprung im Mittelalter und wurde in seiner heutigen Form vom amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr ausformuliert. Weite Verbreitung hat es interessanterweise durch die Anonymen Alkoholiker gefunden, die es bei ihren Treffen gemeinsam sprechen.

Ich finde dieses Gebet inspirierend, weil es einige wichtige Erkenntnisse thematisiert: Dass man Dinge, die man nicht ändern kann, hinnehmen sollte und dass man Mut benötigt, um Veränderungen zu bewirken. Gelingt es mir nicht, zwischen diesen beiden Fällen zu unterscheiden, nehme ich möglicherweise etwas hin, dass ich mit dem nötigen Mut zum Besseren verändern könnte. Oder aber ich reibe mich bei dem Versuch auf, etwas unumstößliches verändern zu wollen, wo ich mit der angebrachten Gelassenheit viel Energie für sinnvollere Unternehmungen sparen könnte.

Buddhismus und die Stoiker

Der Buddhismus betrachtet Gelassenheit bzw. Gleichmut (Upekkha) neben Liebe, Mitgefühl und Mitfreude als einen der vier himmlischen Geisteszustände. Dieser Gleichmut darf nicht mit Gleichgültigkeit verwechselt werden. Es handelt sich mehr um eine geistige Unerschütterlichkeit oder stoische Gelassenheit, wie sie auch von römischen Philosophen gelehrt wurde.

Menschen von Wert arbeiten hart, bringen Opfer und werden zum Opfer, und zwar aus eigenem Willen; sie werden nicht vom Schicksal geleitet, sondern sie folgen ihm und halten gleichen Schritt; hätten sie es gekannt, wären sie ihm vorausgegangen. (Seneca)

Wie ich gelassen bleibe

Das Annehmen einer Beobachterrolle hilft mir dabei, Gelassenheit zu bewahren. Sobald ich bemerke, dass ich aus der Ruhe komme oder in Hektik verfalle, versuche ich, die Situation als Außenstehender wahrzunehmen: Ist es wichtig, was hier gerade passiert? Welche Konsequenzen wird dies in 10, 20 oder gar 100 Jahren haben? Durch diese Perspektive schaffe ich Distanz und kann mich auch emotional von den Geschehnissen lösen.

Nicht immer gelingt mir diese Entkopplung. Selbst Seneca durchlebte eine Zeit, in der er seine sprichwörtliche Gelassenheit eingebüßt hatte. Doch ich werde besser darin, Tag für Tag. Das ist es was zählt. Der Weg ist das Ziel.


Über Thomas Frütel

Thomas Frütel ist Softwarearchtitekt, Kraftsportler, Gesundheitsfanatiker und Familienvater. Auf idealkraft.de schreibt er über alles, was mit menschlicher Leistungsoptimierung - Human Performance Optimization - zu tun hat.


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Ein Gedanke zu “Gelassenheit

  • M.n.

    Wenn Gelassenheit fehlt wird unter Umständen Hass daraus. Das ist der Grund für viele Kriege auch heute noch. Wir müssen nur nach Israel schauen oder in die Ukraine. Wer gelassen bleibt hat ein langes Leben zu erwarten. Das ist die Wahrheit