Lebenslang fit – die nächsten zwanzig Jahre


Bewegliche Seniorin

Beweglich im Alter – Bild © Depositphotos.com / Photography33

Ich war 17, als ich mich das erste Mal an einer Langhantel versuchte. Ich wollte einfach ein bisschen stärker werden. Da ein Fitnessstudio für mich nicht bezahlbar war, ging ich stattdessen zu einem Kraftsportverein, wo ich ans olympische Gewichtheben herangeführt wurde.

Überraschenderweise stellte ich dabei fest, dass ich relativ stark war und schnelle Fortschritte machen konnte. Überraschend, weil ich als Kind und Jugendlicher bis dahin eher unsportlich war.

Auch im Gewichtheben waren mir Grenzen gesetzt: Mir fehlte es an der nötigen Beweglichkeit, um das technisch anspruchsvolle Reißen und Stoßen perfekt auszuführen. Mit viel Krafteinsatz und gerade noch akzeptabler Technik konnte ich dennoch kleinere Wettkampferfolge verbuchen. Nach einem gut zehnjährigen Exkurs ins Bodybuilding entdeckte ich mit Anfang dreißig dann das Powerlifting für mich.

Technisch weniger anspruchsvoll als das olympische Gewichtheben und mehr auf rohe Kraft ausgelegt war dies die perfekte Sportart für mich. Es dauerte eine Weile, bis ich eine schwere Kniebeuge in gültiger Wettkampftiefe ausführen konnte und noch heute pflege ich eine Hassliebe mit dieser Disziplin.

Insgesamt betreibe ich nun seit gut zwanzig Jahren Kraftsport und blicke auf eine weitgehend verletzungsfreie Karriere zurück. Doch stellt sich mir die Frage, wie ich wohl die nächsten zwanzig Jahre mit bestmöglicher Fitness bestreiten kann.

Ja, Fitness. Als erklärter Eisenfresser habe ich diesen Begriff immer belächelt. Und nein, ich habe keineswegs vor, meine sportliche Zukunft auf Elipsentrainern, Balancierbällen oder in Zumba-Kursen zu bestreiten.

Vielmehr will ich an den athletischen Skills arbeiten, wo es seit jeher bei mir hapert: Beweglichkeit und Koordination. Während mein Potenzial für schiere Muskelkraft nach so langer Trainingszeit weitgehend ausgereizt sein dürfte, sehe ich hier eine echte Chance, meine Leistungen auch in den kommenden Jahren noch zu verbessern. Vor allem aber betrachte ich eine technisch perfekte Übungsausführung als Ticket, um auch in 20 Jahren noch gute sportliche Leistungen zu erbringen. Von dieser Perfektion bin ich, gerade auch durch meine mangelhafte Beweglichkeit, noch weit entfernt.

Meine schlechte Kniebeugentechnik habe ich früher gerne als gutes Rückentraining betrachtet. Tatsächlich mag es sein, dass ein Teil meiner Kraft im Kreuzheben daher rührt, dass eine tiefe Kniebeuge bei mir eher wie ein verunglückter Good-Morning aussieht. Wie dem auch sei, bis zum Ende des Jahres habe ich mir vorgenommen, endlich zu lernen, wie man mit und ohne Gewicht sauber in die Hocke kommt, statt sich irgendwie durch das Gewicht zusammenfalten zu lassen.

Die Arbeit an der Beweglichkeit steht für mich somit erstmal im Vordergrund. Vielleicht bin ich ja dann in zwanzig Jahren ähnlich flexibel wie die Dame oben auf dem Bild. Erstrebenswert ist das sicherlich!


Über Thomas Frütel

Thomas Frütel ist Softwarearchtitekt, Kraftsportler, Gesundheitsfanatiker und Familienvater. Auf idealkraft.de schreibt er über alles, was mit menschlicher Leistungsoptimierung - Human Performance Optimization - zu tun hat.

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