Kalt duschen für einen starken Körper 9


In diesem Artikel möchte ich einen simplen, aber hocheffektiven Biohack diskutieren. Angenommen, es gäbe ein Mittel, welches die folgenden Wirkungen vorweisen kann:

  • Stärkt das Immunsystem
  • Fördert die Fettverbrennung
  • Fördert Muskelwachstum
  • Erhöht den Testosteronspiegel
  • Verbessert Muskelregeneration
  • Stärkt die persönliche Disziplin
  • Spart Stromkosten

Kalte DuscheZu gut um wahr zu sein? Tatsächlich lassen sich all diese positiven Effekte durch eine simple Tätigkeit herbeiführen: Regelmäßiges, eiskaltes Duschen.

Schon länger liebäugelte ich mit dem Gedanken, mir das morgendliche kalte Duschen zur Gewohnheit zu machen, vor allem wegen der naheliegenden Stärkung des Immunsystems. Wirklich dazu durchringen konnte ich mich dann aber doch nie.

Erst als ich kürzlich in einigen anderen Blogs davon las, wie positiv die Auswirkungen einer kalten Dusche auf Muskelwachstum, Fettverbrennung und den Hormonspiegel sind, schritt ich zur Tat: Ich nahm die »30 Day Cold Shower Challenge« an und beschloss, 30 Tage in Folge jeden Morgen einige Minuten unter kaltem Wasser zu verbringen. Im folgenden einige Schlüsselfaktoren:

Stärkung des Immunsystems

Eine Studie des britischen Thrombosis Research Institute aus dem Jahr 1993 ergab, dass Versuchspersonen die täglich eine kalte Dusche nahmen, eine erhöhte Anzahl an weißen Blutkörperchen aufweisen konnten. Die Forscher nehmen an, dass das Immunsystem aktiviert wird, wenn der Körper sich nach der Abkühlung durch die kalte Dusche wieder aufwärmen muss.

Fettverbrennung optimieren

Brown Adipose Tissue

Brown Adipose Tissue oder kurz BAT ist ein besonderer Typ Fett, das beim Menschen an Schlüsselbein, Brustbein, Hals und im oberen Rücken zu finden ist. BAT besitzt die Fähigkeit, Wärme zu erzeugen, indem es die Verbrennung von weißem Fett an Hüfte, Bauch oder Beinen unterstützt.

Während und nach der Dusche verbraucht der Körper zusätzliche Energie, um die Temperatur zu halten, beziehungsweise sich wieder aufzuwärmen. Es gibt aber auch Hinweise darauf, dass Kontakt mit kaltem Wasser das braune Fett im Körper aktiviert. Dadurch werden Fettreserven eher zur Energiegewinnung herangezogen, wogegen die Kohlenhydratspeicher geschont werden.

Mehr Testosteron

Für männliche Kraftsportler vielleicht der interessanteste Aspekt: Die bereits genannte Studie des Thrombosis Research Institute fand bei den kalt duschenden Versuchspersonen einen gesteigerten Testosteronspiegel. Auch Tim Ferris empfiehlt in seinem Buch 4 Hour Body kalte Duschen beziehungsweise Bäder, um das Testosteron in die Höhe zu treiben.

Bessere Stimmung

Forscher der Onkologie-Abteilung der Virginia Commonwealth University School of Medicine haben festgestellt, dass kalte Duschen einen sogenannten Blauen Fleck im Gehirn stimulieren, der für die Produktion von Noradrenalin zuständig ist. Dies kann zur Linderung von Depressionen führen.

Mehr Energie am Morgen

Der Adrenalinschub durch eine kalte Dusche macht wach – und das nachhaltig. Wie müde man sich auch morgens ins Bad schleppt, nach einigen Minuten unter dem kalten Wasser dürfte auch der hartnäckigste Morgenmuffel hellwach sein.

Meine Erfahrung

Vermutlich war es eine gute Idee, dieses Vorhaben im Sommer zu beginnen. Das Wasser aus der Dusche ist kalt, aber nicht eisig. Man friert auch morgens nicht bereits beim Verlassen des Bettes, wie es im Winter oft der Fall ist.

Meine ersten Versuche mit der kalten Dusche führten zu der gleichen Erfahrung, die wohl jeder macht, der sich an diesem Vorhaben versucht: Es ist kalt, saukalt, und es ist verdammt ungemütlich. Ich riss mich zusammen, dachte an Guantanamo und verblieb prustend und fluchend eine Minute lang unter dem kalten Wasser. Am zweiten Tag schaffte ich bereits zwei Minuten und am Ende der ersten Wochen drei.

Meine 30 Tage ChallengeInzwischen bin ich bei Tag 24 der Challenge angelangt, halte es fünf Minuten im kalten Wasser aus und bin überzeugt, die 30 Tage Herausforderung zu meistern. Die erste halbe Minute im Wasser sind noch immer der Horror, aber danach wird es erträglicher. Ab der dritten Minute beginne ich zu zittern, aber dieser Zitterreflex ist wohl auch wichtig, um den erwünschten Hormonschub herbeizuführen. Nach der Dusche fühle ich mich jedes Mal gut und energiegeladen.

Ich glaube nicht, dass ich an Tag 30 ein Eisbad nehmen werde wie Caveman Klaus. Wohl aber werde ich die Gewohnheit des kalten Duschens weiter pflegen und kultivieren. Zu wertvoll sind die positiven Effekte, um wegen 30 Sekunden morgendlichen Schreckens darauf zu verzichten.


Über Thomas Frütel

Thomas Frütel ist Softwarearchtitekt, Kraftsportler, Gesundheitsfanatiker und Familienvater. Auf idealkraft.de schreibt er über alles, was mit menschlicher Leistungsoptimierung - Human Performance Optimization - zu tun hat.


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9 Gedanken zu “Kalt duschen für einen starken Körper

    • Thomas Frütel Beitragsautor

      Wie oben geschrieben ist das Zittern wohl mit verantwortlich für einen Teil der Effekte – bei mir tritt das nach etwa 3 Minuten ein. Empfohlen wird in den meisten Artikeln mindestens 5 Minuten kalt zu duschen.

  • Ladifara

    Typisch, die Studien wurden wie immer wieder einmal nur mit männlichen Probanden durchgeführt. Natürlich ist es eine Binsenweisheit, dass kaltes Duschen auch das weibliche Immunsystem kräftigt. Solche Studien lassen jedoch unberücksichtigt, dass der Stoffwechsel von Frauen einem monatlichen Wechsel unterliegt und dass das weibliche Immunsystem einmal im Monat für wenige oder auch mehrere Tage auf Untergrund geht und dass Frauen in dieser Zeit sowohl Stress- wie Infekt anfälliger sind. Die Frage, ob eine gesundheitsfördernde Strapaze wie kaltes Duschen auch in dieser Phase sinnvoll ist oder dann eher vermieden werden sollte, beantworten solche Studien leider nicht. Leider ist das nicht die einzige Studie, die den weiblichen Stoffwechsel ignoriert, die Gendermedizin steht m.M.n. noch nicht einmal in den Startlöchern, wie ich aus Gesprächen mit Jungmedizinern schließe, auch wenn der Begriff schon mal Eingang in das Denken der Jungmediziner gefunden hat.

  • Fritz Timm

    Seit vielen Jahren dusche ich kalt, in der Vergangenheit vielleicht dreimal die Woche. seit ca. einem Jahr habe ich es mir angewöhnt, jeden morgen eine kalte Dusche zu nehmen, hauptsächlich, um meine morgentlichen Depressionen zu beseitigen. Und es funktioniert ! Nach einiger Zeit hat man sich daran gewöhnt; es gibt keinen Schock mehr beim plötzlichen Guss des kalten Wassers, und dann lasse ich es 6 bis 10 Minuten laufen und fühle mich stimmungsmäßig und körperlich stark. Die Muskelbildung nimmt zu durch stärkere Durchbutung, und auch die leidige Gewichtszunahme hat sich erledigt. Ich kann nur jedem, der einen gesunden Kreislauf hat, das Kaltduschen empfehlen. Übrigens, ich bin jetzt 78 jahre und arbeite noch jeden Tag.

  • Smoothie

    Ich dusche seit knapp einer Woche kalt und das macht sich positiv bemerkbar. Ich fühle mich wohler und nicht so lasch wie nach einer heißen dusche.

  • Volker Schmidt

    Nach meiner Meinung ist das kalte Duschen mühsamer als das kalte Bad. Die Kältereize sind zu schwach und an zu wenig Körperoberfläche.
    Ich mache es so: Ich fülle die Badewanne richtig gut mit kaltem Wasser, bislang verzichte ich noch auf Eiswürfel oder Kühlakkus aus der Gefriertruhe.
    Den Kurzzeitwecker stelle ich auf 20 Minuten und dann setze ich mich mit einem Buch in die Wanne hinein und lese. Nach fünf Minuten lehne ich mich dann gemütlich zurück und lese weiter.
    Bei dieser Variante konzentriert sich die Kälte-Erfahrung auf den ersten Kontakt, das Hineinsetzen in die Wanne und dann noch mal auf den Moment in dem man sich „gemütlich zurücklehnt“, insgesamt sind das dann aber nur wenige Sekunden und das geht eigentlich dann doch ganz gut, man pustet mal und fertig.
    Nach zwanzig Minuten klingelt der Wecker und man ist überrascht dass die Zeit schon um ist, manchmal bleibe ich auch länger drinnen wenn ich gerade an einer spannenden Stelle im Buch bin. Hernach gebe ich noch vom kalten Wasser was ins Gesicht und auf den ganzen Kopf und dann steige ich aus der Wanne.
    Bei diesen Kältebädern erlebt man dann manchmal schon in der Wanne, manchmal erst beim Abtrocknen oder kurz danach wie der Körper mit leichtem Zittern reagiert, ich denke wenn man zusätzlich noch mit Eisbeuteln kühlt könnte daraus auch ein starker Schüttelfrost werden aber auch den übersteht man klaglos weil der Körper ja mit eigenen Endorphinen gegensteuern kann.
    Der Herr Tim Ferris beschreibt in seinem Buch „Der 4-Stunden-Körper“ ja auch die Variante in der man sich nur mit Kühl-Gel-Auflagen im Halsbereich und Nackenbereich, oberer Brustbereich kühlt, das ist ganz praktisch beim Fernsehen und da bleibt auch das Zittern komplett aus, die Wirkung sieht er bei 60 Prozent im Vergleich zu den Eisbädern.

    Wenn man unter der kalten Dusche steht ist der Kältereiz ein anderer, das fühlt sich schneidender an, ist wirklich unangenehmer.
    Man kann auch im Winter gut im Freigewässer das alles ausprobieren, sogar dann wenn man sich dafür ein Loch ins Eis hacken müsste. Wichtig sind dabei dann nur die Badelatschen finde ich. Viel von unseren Ängsten vor dem kalten Wasser ist nur Kopfkino, probiert man sowas dann mal wirklich aus sieht man, dass jede/r sowas machen kann. Vielleicht sollten Menschen mit extremen Bluthochdruck besser die Finger davon lassen weil man sicherlich beim Hineinsetzen ins kalte Wasser einen weiteren kurzzeitigen Blutdruckanstieg haben wird.

    Diese Kaltwasserbäder verbessern übrigens das Hautbild schon nach einem oder zwei Tagen wenn man sie morgens und abends macht. Ich denke es ist aber auch in Ordnung, wenn man sie nur abends macht oder nur alle paar Tage macht oder wann auch immer es einem passt, man kann ja zusätlich noch ab und an mit den Kühl-Gel-Akkus arbeiten.

    Bei dem Wasser in der Badewanne muss man auch nicht unbedingt täglich das Wasser wechseln solange man seine Blase unter Kontrolle hat, lässt man das Fenster gekippt und die Heizung aus bleibt das Wasser auch angenehm kühl.