Quantified Self – Selbstvermessung


Vor einigen Jahren, als ich sportlich noch hauptsächlich in Richtung Bodybuilding orientiert war, maß ich den Umfang meiner Oberarme mit einem Maßband. Täglich. Fiel die Messung einmal einen Millimeter niedriger aus, trübte das meine Laune erheblich. An den meisten Tagen änderte sich am Messergebnis allerdings rein gar nichts.

Viele Menschen haben ein ähnliches Verhältnis zu ihrer Waage, wie ich seinerzeit zu meinem Maßband: Täglich wird das Gewicht kontrolliert, obwohl das Körpergewicht kaum Aussagekraft über die körperliche Verfassung eines Menschen besitzt.

Hier sollte man zumindest den Körperfettgehalt berücksichtigen, der sich leider auch mit speziellen Waagen nur unzureichend genau bestimmen lässt.

Quantifizierung: Der Wunsch nach Vergleichbarkeit

WaageSowohl meine Bizepsvermessungen als auch das tägliche Wiegen zeigen einen scheinbar natürlichen Wunsch vieler Menschen auf: Den Zustand ihres Körpers zu bestimmen und irgendwie mittels vergleichbarer Zahlen auszudrücken.

Dank Smartphones und jüngster Fortschritte in der Sensorik entsteht gerade ein Trend, der üblicherweise unter dem Begriff »Quantified Self« geführt wird: Die Vermessung, Quantifizierung und Überwachung des eigenen Körpers.

Smartphone Apps

Die Einstiegsdroge für Quantified Self Praktikanten sind verschiedene Smartphone Apps, mit denen sich sportliche Aktivitäten, Nahrungsaufnahme oder Schlafverhalten mehr oder weniger zuverlässig erfassen lassen. Einige interessante Apps möchte ich hier aufführen:

Moves

Moves AppDie Moves-App zeichnet via GPS jede Bewegung des Nutzers auf und zählt dabei die zurückgelegten Schritte. Interessant ist dabei, dass es eine ganze Reihe weiterer Apps gibt, welche die Daten aus Moves nutzen können, um ihre eigene Funktionalität zu erweitern. Eine Liste dieser sogenannten Connected Apps gibt es auf der Website von Moves.

Aus Sicht des Datenschutzes ist Moves nicht ganz unproblematisch, da vollständige Bewegungsprofile auf dem Server des Betreibers abgelegt werden.

Ich selbst habe mich inzwischen damit abgefunden, dass Apple, Google und Facebook über fast alle meine Aktivitäten Bescheid wissen. Moves bietet für mich persönlich genug Mehrwehrt, dass ich auch in diesem Fall bereit bin, meine Daten mit einem Dienstleister zu teilen.

Sleep Cycle Alarm Clock

Es gibt eine Reihe von Apps, mit denen sich das Schlafverhalten aufzeichnen und analysieren lässt. Sleep Cycle Alarm Clock scheint mir dabei am ausgereiftesten zu sein. Man muss hier das Handy neben das Kopfkissen legen, damit die Daten mittels Mikrofon und Bewegungssensor erfasst werden können. Ich empfehle hierbei auf jeden Fall das Handy in den Flugzeugmodus zu schalten – Nacht für Nacht ein strahlendes Handy direkt am Kopf zu haben ist sicher nicht gesund.

Unter Berücksichtigung der eingeschränkten Möglichkeiten, die eine solche App zur Datenerfassung hat, sind die Ergebnisse ganz passabel. Zumindest die ermittelten Wachphasen stimmen oft mit meiner Erinnerung überein.

OptimizeMe

optimizemeOptimizeMe ist eine der interessanteren Connected Apps für Moves. Man kann in dieser App verschiedenste Messwerte aus allen Lebensbereichen automatisch oder manuell erfassen. Der integrierte Assistent soll dann dabei helfen, Zusammenhänge zwischen den Daten aufzuzeigen und sich selbst dadurch besser zu verstehen.

Activity Tracker

Die fortschreitende Smartphone-Technologie wird in den nächsten Jahren sicherlich noch erheblich ausgereiftere Quantified Self Apps ermöglichen. Wer jedoch schon heute präzise Zahlen haben möchte, kommt in vielen Bereichen nicht umhin, sich zu verkabeln: Indem er Sensoren an sich trägt, die speziell zum Tracking körperlicher Parameter entworfen wurden. Neben etablierten Marken wie Nike, Polar oder Garmin gibt es inzwischen einige Anbieter, die ganz gezielt diesen Markt bedienen:

Fitbit

Fitbit dürfte der Marktführer unter den Spezialisten für Activity Tracker sein. Das Sortiment ist relativ übersichtlich: Es gibt drei verschiedene Tracker, die als Armband oder an der Kleidung getragen werden können, sowie eine W-Lan Waage. Die Fitbit App für iPhone und Android sieht ansprechend aus und verspricht Motivation, indem man in einer Art Belohnungssystem Abzeichen sammeln kann.

Withings

Withings hat eine ähnliche Produktpalette wie Fitbit: Tracker, eine W-Lan Waage sowie einen Blutdruckmesser. Der Withings Pulse kann neben den üblichen Daten auch die Herzfrequenz erfassen, was ihn von den Produkten von Fitbit oder Jawbone abhebt. Allerdings geschieht dies nur auf Abruf, nicht automatisch rund um die Uhr.

Vielversprechend ist das angekündigte Withings Aura Gerät, welches detaillierte Schlafanalysen mithilfe eines Matrazensensors verspricht. Diese dürfte erheblich aussagekräftiger als die Messungen von Sleep Cycle sein.

Jawbone

Mit dem Jawbone Up beziehungsweise dem Jawbone Up 24 hat dieser Hersteller zwei Tracker im Angebot, die in Form und Funktion sehr nah an den Armbändern von Fitbit sind. Im Gegensatz zu Fitbit und Withings ist Jawbone jedoch nicht auf den Quantified Self Bereich spezialisiert, sondern stellt auch andere Lifestyle Produkte wie zum Beispiel Lautsprecherboxen her. In Verbindung mit teils negativen Kritiken bezüglich der Haltbarkeit der Produkte würde ich Jawbone hier nicht für die erste Wahl halten.

Basis Health Tracker

Die Königsklasse unter den Activity Trackern produziert derzeit die Firma Basic, welche kürzlich vom Chiphersteller Intel übernommen wurde. Die Uhren von Basic erfassen neben Schritten und Schlafbewegungen auch rund um die Uhr den Puls sowie Körpertemperatur und Hautwiderstand.

Quantified Self mit Basis B1

Die Geräte von Basis sind bisher leider nur in den USA erhältlich. Mit etwas Glück konnte ich kürzlich einen Basis Tracker bei eBay ersteigern, der in wenigen Tagen bei mir eintreffen sollte. Ich freue mich schon auf die Erfassung umfangreicher Daten.

Laboranalysen

Wer ganz genau wissen möchte, was in seinem Körper passiert, kommt um eine Laboranalyse nicht herum. Von Speicheltests für Testosteron und Cortisol über Blutanalysen bis hin zur Genomanalyse ist alles möglich. Testkits für einfache Tests lassen sich online bestellen. Diese werden dann zur Auswertung an ein Labor geschickt. Die Kosten liegen hier bis etwa 50 Euro. Für eine umfangreichere Blutanalyse muss man dagegen schon einige hundert Euro veranschlagen.

Interessant ist auch der Dienst von 23andMe, bei dem man seine komplette DNA analysieren lassen kann. In der Vergangenheit berichtete 23andMe dann zum Beispiel über spezielle gesundheitliche Risiken, die sich aus dem Genomprofil ableiten lassen. Leider hat die zuständige Behörde in den USA diese Auswertungen bis auf weiteres untersagt, so dass der Anbieter jetzt nur noch Informationen zur Abstammung eines Kunden, nicht jedoch gesundheitliche Daten herausgeben darf. Das macht den Dienst für mich erst mal uninteressant.

Quantified Self auf idealkraft

In Zukunft wird es hier im Blog vermutlich öfter mal etwas aus dem Bereich Quantified Self zu lesen geben. Die Messung und Auswertung solcher Daten passt gut zum Kernthema der »Beständigen Verbesserung«. Ich freue mich schon auf meinen Basis Tracker und bin gespannt, wie er mir helfen wird, Training, Schlaf und Lebensweise zu optimieren.


Über Thomas Frütel

Thomas Frütel ist Softwarearchtitekt, Kraftsportler, Gesundheitsfanatiker und Familienvater. Auf idealkraft.de schreibt er über alles, was mit menschlicher Leistungsoptimierung - Human Performance Optimization - zu tun hat.

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